EIRENE: Ausbildung von Jugendlichen und Anbauschulungen, Niger

Gesicherte Zukunft in West-Niger
Wie Familien in Niger mit innovativen Anbaumethoden der Klimakrise trotzen und Jugendliche Bildungsschancen erhalten.

 

Hintergrund

In der Sahel-Zone haben die Menschen schon immer Wetterextreme, Ernteausfälle und Hungerkrisen durchgestanden. Die Klimakrise fordert die Menschen allerdings zusätzlich heraus. Die Durchschnittstemperatur ist im Westen des Nigers in den vergangenen Jahren 1,5 Mal stärker gestiegen als im globalen Durchschnitt. Regenzeiten verkürzen sich und werden unregelmäßiger. Hinzu kommen Übernutzung und Abholzung auf den verbleibenden Flächen. Das lässt die Wüstenbildung voranschreiten. Fruchtbarer Boden für die Ernährung der Menschen mit Feldfrüchten und als Weidefläche für Tiere werden knapper.
Ein weiteres sich verschärfendes Problem ist, dass jungen Menschen wenig Einkommensmöglichkeiten außerhalb der Landwirtschaft haben. Armut, Frust und Perspektivlosigkeit sind die Folge. Viele suchen Auswege, indem sie eine gefährliche Flucht nach Europa antreten oder sie begeben sich in die Fänge radikal-islamistischer Milizen. Diesen Problemen will EIRENE mit diesem ganzheitlichen Projekt entgegenwirken.

Begünstigte Personen

Die unmittelbar Begünstigten sind 130 Haushalte, die an den landwirtschaftlichen Schulungen teilnehmen. Hinzu kommen rund 400 Jugendliche im Bereich der Bildungsmaßnahmen.
Indirekt werden weitere rund 3000 Personen erreicht. Das sind Dorfbewohner*innen, die von der Wissensweitergabe und der Fortsetzung der Schulungsinhalte durch die Schulungsteilnehmenden selbst profitieren. Weitere 500 Personen sollen über die Austauschreisen und Multiplikatoren erreicht werden.

Aktivitäten (Auswahl)

Landwirtschaft und klimaschonende Anbauweisen

  1. Aktions- und Schulungstage zu klimaschonenden Anbaumethoden, Rekultivierung unfruchtbarer Flächen, Kompostherstellung, Herstellung von ökologischem Pflanzenschutzmittel
  2. Pflanzung von 12.000 Baumsetzlingen in zuvor eingerichteten Baumschulen (trockenheitsresistente Acacia-Arten).
  3. Austauschreisen zwischen den Erzeuger*innen, je nach COVID-19 Infektionslage, und Ausbildung von Multiplikator*innen, um das Wissen in Nachbargemeinden tragen.
  4. Unterstützung bei der Bildung von Interessensgruppen, insbesondere für Frauen und junge Erwachsene, die ihre Bedürfnisse gegenüber lokalen Entscheidungsgremien vertreten.
  5. Digitale Wissenserfassung und Dokumentation von „Best-Practise-Beispielen“, die über Handys herunter geladen werden können.

Ausbildungsförderung von Jugendlichen

  1. Bildung von Übergangsklassen in den weit verbreiteten Koranschulen. Diese Klassen ermöglichen den Übergang in staatliche, weiterführende Schulen. Jugendliche lernen dort die Amtssprache Französisch und erhalten zusätzliche Qualifikationen für die weiterführenden Schulen.
  2. Zusammen mit Ausbildungszentren in der Region finden für rund 80 Jugendliche erste berufliche Orientierungen und Kontaktaufnahmen mit lokalen Betrieben statt.
  3. Fortbildungsangebote zu Themen wie Sexualität, reproduktive Gesundheit, Drogenmissbrauch, Umwelt und Ernährung erweitern weltliches Wissen der Jugendlichen.
  4. Die Lehrpläne der Koranschulen werden erweitert um Themen von demokratischer Teilhabe, gewaltfreier Kommunikation und Partizipation.

Nachhaltigkeit

  1. Ökologisch: Alle beschriebenen landwirtschaftlichen Maßnahmen zielen darauf ab, bisher unfruchtbaren Wüstenboden zu rekultivieren, den Bodenabtrag zu vermindern und das Lokalklima zu verbessern.
    Es wird nur auf Ressourcen zugegriffen, die in den Gemeinden vorhanden sind.
    Für die CO2-Emissionen, die durch regionale und internationale Flüge zur Begleitung der Projektaktivitäten entstehen, werden Ausgleichszahlungen (sogenannte CO2-Kompensationen) gezahlt.
  2. Ökonomisch: Die landwirtschaftlichen Maßnahmen zielen darauf ab, nachhaltig die Ernteerträge und damit die Einkommen und Nahrungsverfügbarkeit der Zielgruppen steigern.
    Weiterhin wird die Stärkung der ländlichen Entwicklung in Kombination mit verbesserter Bildung wirtschaftliche Synergien freisetzen. Junge Menschen erhalten reale Möglichkeiten in einem Beruf zu arbeiten, Einkommen zu erzielen und damit Armut zu vermindern.
  3. Sozial: Die Bildungsangebote für Jugendliche im Projekt machen Mut, stiften Identifikation und lassen junge Menschen positiv in die Zukunft schauen. Das vermindert, dass sie sich radikal-gewalttätigen Gruppen anschließen oder ihr Einkommen über Schmuggel oder über andere illegale Wege beschaffen. Die Fortbildungsangebote zu Themen wie Partizipation, demokratische Teilhabe, Drogenkonsum und Sexualität stärken das Selbstbewusstsein und das eigenständige Denken junger Menschen.
    Die landwirtschaftlichen Schulungen haben eine große soziale Breitenwirkung, da das Erlernte von den selbst Beteiligten fortgeführt und an andere weiter gegeben wird, wie die Erfahrung aus dem Vorgängerprojekt gezeigt hat.

 

Laufzeit 09/2019-12/2023

Wir fördern dieses Projekt insgesamt mit 20.000 €.